Die Germanen                                                                  Seite ist noch in Arbeit
Der Begriff Germanen (germ. Germanoz) ist in seinem Ursprung unklar, vielleicht kommt er von Ger, „Speer” und „Männer” oder er meint „echte Kelten” (nach STRABON) oder ganz anderes. Im ersten Jahrhundert v. kam er bei den Römern für diejenigen Stämme in Gebrauch, die aus dem Norden und Osten über den Rhein kamen. Nach dem römischen Schriftsteller TACITUS soll zuerst der Stamm der Tungrer so genannt worden sein, später hätten diese sich selbst Germanen genannt und nach und nach auch die anderen dann so genannten germanischen Stämme.

Eine andere Quelle sagt.
>>80 v. Chr.

In einer seiner Schriften erwähnt der griechische Historiker Poseidonis als erster die „Germanoi“, und äußert sich abfällig über die Essgewohnheiten der Menschen aus dem Norden. <<

TACITUS, dessen Germania zu den bedeutendsten Schriftquellen germanischer Geschichte zählt, unterschied drei germanische Stammesgruppen, die an der Küste siedelnden Ingäwonen, den in der Mitte wohnenden Herminonen und die weiter nach Osten und Norden hin lebenden Istwäonen.

Der Asen-Vanen-Krieg, eine Auseinandersetzung der in der nordischen Edda vorherrschenden Göttergeschlechter (Völuspa), wird dahingehend gedeutet, daß er geschichtliche Vorgänge aus ältester Zeit beschreibe. Vor 5000 Jahren trafen demnach wandernde Schnurkeramiker und Streitaxtleute in Nord- und Ostseeraum aufeinander. Die folgenden Kämpfe und ein Ineinanderaufgehen der Völker nach Friedensschluß seien in den oben beschriebenen Mythen beschrieben und so sei die Herkunft der Germanen zu erklären.

Wie der antike Römer unterscheidet auch die modernere Altertumskunde drei Stammesgruppen, die Nordseegermanen, die Elbgermanen und die Weser-Rhein-Germanen. Unterschieden wird auch in die Nordgermanen (Skandinavien, Island) und Südgermanen.

Die Römer stießen erstmals im 2. Jh. v. auf nördlich der Alpen lebende Stämme, als die Kimbern und Teutonen über das Gebirge kamen und ins römische Kernland einbrachen. Später führte die Eroberung Galliens durch den Römer Caesar zu einer langen Grenze des Römischen Reiches mit germanischen Gebieten, die Schauplatz zahlreicher Konflikte war. Für Rom war besonders der Verlust der von Varus geführten Legionen schmerzlich, als im Jahre 9 der Cherusker Arminius (Hermann) einen vernichtenden Sieg errang. Die Römer suchten seitdem mit dem Limes zwischen Rhein und Donau eine sichere Grenze zu errichten und ließen von Eroberungsversuchen ab.
Allmählich bildeten sich jenseits dieser Grenze die später historisch bedeutsamen Stämme der Alemannen, Franken, Goten, Langobarden, Markomannen und Sachsen heraus. Als deren Länder Ende des 4. Jahrhunderts von den Hunnen überrannt wurden, begann eine allgemeine Völkerwanderung, in deren Folge die Germanen das weströmische Reich beendeten. Im Süden Europas (Ostgoten 493-553 in Italien, von 412-711 die Westgoten in Südgallien und Spanien, in Oberitalien von 568-774 die Langobarden) und in Nordafrika (Wandalen, 429-534) wurden einige meist unbeständiger Königreiche begründet, als haltbar erwies sich im Norden das Frankenreich, aus dem später Frankreich und Deutschland hervorgingen. 

   Wo hab ich die Karte her, wen es wer weiß, bitte melden ??

Religion

Über die Religion der germanischen Stämme gibt es wenig schriftliche Quellen, der Glauben dürfte mündlich überliefert worden sein; das Vorhandene lässt auf einen von Stamm zu Stamm recht verschieden geübten Kult schließen, wobei die wärmespendene Sonne ebenso im Zentrum der Verehrung stand wie die Fruchtbarkeit, außerdem ein vielfältiges Jenseits angenommen wird, das von Seherinnen erforscht wird.
Als in früher Zeit höchster Gott gilt der Himmelsgott Tiwaz, der in der aus Island überlieferten Edda Tyr hieß. Ihn löste Wodan (nord. Odin) ab, in seiner Verehrung fast noch übertroffen von Donar (nord. Thor), der als Freund der Menschen gegen feindliche Riesen kämpft. Hoch geschätzt waren die weiblichen Gottheiten, die Gattin des höchsten Gottes (Frigg) und Göttin der Liebe (Freya) waren, die Muttergottheit wurde unter vielen Namen verehrt (z. B. Nerthus, Berchta, Hulda), oft auch in Dreiheit.
Besondere Kultstätten waren Fositesland (Helgoland) und die Irminsul, die bei den Externsteine gewesen sein soll.

Entscheidend für das Vordringen des Christentums in Germanien wurde die Taufe des Frankenkönigs Chlodwig im Jahr 496, kaum hundert Jahre, nachdem Theodosius I. diese bereits 380 in Rom angenommen hatte. Die „Bekehrung” der Sachsen durch Karl d. Gr. wurde zum besonders unrühmlichen Kapitel dieser Mission, als Karl tausende Sachsen hinrichten ließ („Karl der Sachsenschlächter”).
Bekannte christliche Missionare der Germanen sind Willibrord, Bonifatius und Liudger.

Einer sagenhaften Überlieferung zufolge wuchsen die Sachsen einst samt ihrem König Aschanes (Ascanius) nahe einem Springbrünnlein aus einem Harzfelsen heraus. Der Name der Germanen soll nach AVENTIIN in diese Sine von lat. germinare, auswachsen, abzuleiten sein. (GRIMM, Nr. 408)

 


Gemetzel an grimmigen Wilden mit begehrten Haaren

Von Manuel Zeiler

Sonderlich begeistert zog sicher kein Legionär gegen die Stämme der Germanen ins Feld. Die kriegerischen Bewohner der dunklen Wälder jenseits des Rheins waren gefährliche Gegner. Das wussten die Römer spätestens seit dem Ende des 2. Jahrhunderts v. Chr., als Stämme der Kimbern und Teutonen im heutigen Südfrankreich eine Legion nach der anderen besiegten, schließlich in der Schlacht von Aquae Sextiae (Aix-en-Provence) aber unterlagen.
Im Jahrhundert darauf kamen Tenkterer und Usipeter dem Gallieneroberer Gaius Iulius Caesar in die Quere. Im Winter 55/54 v. Chr. überquerten sie den Rhein, die von Caesar festgesetzte Grenze Galliens, und bedrohten die Menapier, einen mit den Römern verbündeten gallischen Stamm. Der Feldherr eilte rasch zu Hilfe, ging dabei aber so brutal vor, dass er sein Image beschädigte. Dabei ließ er Unterhändler gefangen nehmen und verstieß gegen jede diplomatische Etikette. Seine Gegner in Rom forderten die Auslieferung des Feldherrn an die Barbaren. Obendrein war die ganze Aktion eher ein Fehlschlag. Zwar hatten römische Soldaten jede Menge Frauen, Alte und Kinder massakriert, ein Großteil der germanischen Reiterei aber konnte auf die andere Rheinseite entkommen.
Vermutlich um dem Feind die Möglichkeit zu nehmen, dort Verbündete zu werben, überquerte Caesar 55 v. Chr. seinerseits den Fluss. Doch wieder entkamen seine Gegner, zogen sich in den Schutz der Wälder zurück. Er hinterließ verbrannte Erde und kehrte nach eigenem Bekunden als Sieger nach Gallien zurück. Noch ein zweites Mal, 53 v. Chr., setzte der Römer über. Nur eine weitere Drohgebärde? Wollte Caesar gar das Terrain für eine mögliche Eroberung erkunden? Oder sich lediglich davon überzeugen, dass die Gerüchte wahr waren – auf der rechten Rheinseite gebe es nichts, was eine Invasion lohne?

Hermannsdenkmal in Detmold: Der Cheruskerfürst Arminius schmiedete eine Allienz gegen Rom


Während die Stämme Galliens in Verhältnissen lebten, die denen "zivilisierter" Länder rund um das Mittelmeer nicht unähnlich waren, erschien Germanien einem Römer wohl als ödes Entwicklungsland. Es gab keine Städte, nur Dörfer und Gehöfte; Landwirtschaft und Handwerk hatten einen niedrigen Standard. Chaotisch gar schien das Herrschaftsprinzip: Wer als Heerführer Erfolg hatte, dem schloss man sich an. So bildeten sich immer wieder neue kriegerische Gruppen und Verbände. Gab der Boden nichts mehr her, zog man weiter. Alles in allem also dürfte Germanien einem auf reiche Beute erpichten römischen Feldherrn wenig attraktiv erschienen sein.

Als Caesar 44 v. Chr. einem Attentat zum Opfer fiel, so berichtete der Dichter Vergil (70–19 v. Chr.), verhießen Erdbeben und andere Zeichen in Germanien dem Imperium nicht Gutes. Und tatsächlich folgte dem Tod des Tyrannen der Bürgerkrieg und dem Bürgerkrieg das Ende der Republik. Caesars siegreicher Adoptivsohn Octavian, bald Augustus genannt – zu Deutsch "der Erhabene" –, etablierte das Kaisertum und versprach dafür ein goldenes Zeitalter des Friedens. Dies sei erreicht, so ließ er es von dem Dichter Horaz in Versform verkünden, sobald Land und Meer Rom zu Füßen lägen. Mit anderen Worten: Frieden war Chefsache und militärische Siege ein Prüfstein, ob die Götter Kaiser und Reich ihre Gunst gewähren würden.
Augustus machte bald ernst und schickte seine Soldaten aus. Überallhin. In Britannien lockten Zinn- und Goldvorkommen, in Arabien der Weihrauchhandel. Leichte Beute waren diese Länder nicht, die Kelten der Britischen Inseln erwiesen sich als zähe Gegner, im Orient rafften Wassermangel und Krankheiten die Legionäre dahin. Dennoch konnte kein römischer Herrscher bis dahin einen vergleichbaren Gebietsgewinn verbuchen. Dem Imperium fielen Nordspanien, Ägypten, Äthiopien, Zentral- sowie Nordanatolien zu. Fehlte nur Germanien.
Eine Gelegenheit fand sich 16 v. Chr. Usipeter und Tenkterer übten späte Rache für Caesars Strafexpeditionen – sie vernichteten am Niederrhein einen ganzen Heeresverband. Rom war brüskiert, sah seine Grenze gefährdet. Augustus brach nach Gallien auf, ließ das Straßennetz ausbauen und verlegte sechs Legionen – ein Fünftel des gesamten römischen Heeres – an den Rhein. Im Folgejahr führten seine Stiefsöhne Drusus und Tiberius ihre Truppen in das Nordalpengebiet und in den Donauraum. Dort "zähmten sie Stämme, die durch die Lage ihrer Wohnsitze sehr gut geschützt, schwer zu erreichen, von großer Zahl und grimmig in ihrer Wildheit waren". Überflüssig zu erwähnen, dass "deren Blut in Strömen floss". Doch mit der 9 v. Chr. abgeschlossenen Eroberung Pannoniens, das Teile der heutigen Staaten Österreich, Ungarn, Kroatien, Serbien und Slowenien umfasste, sicherten die Stiefbrüder auch Roms Gebiete gegen Einfälle der Germanen.  Bilder von  http://www.jadu.de/mittelalter/germanen/index.html

2. Teil: Warum es den Römern nicht gelang, das kulturell völlig andersartige Germanien in ihr Imperium einzugliedern

An der Westfront bereitete Drusus die Invasion Germaniens vor. Legionslager wie Nijmegen, Xanten, Neuss und Köln (heutige Namen) wurden aus dem Boden gestampft, Ausgangsbasis für die Truppenbewegungen ins Landesinnere. Pioniere hoben zwischen Rhein und Zuidersee (heute Ijsselmeer) einen Kanal aus, um Versorgungsschiffe schnell in die Nordsee und dann die Weser aufwärts zu bringen.
Offenbar ließ Augustus in zwei Richtungen vorstoßen: An der Lippe und dann am Südrand des heutigen Teutoburger Waldes sowie von Mainz kommend durch die Westhessische Senke in Richtung des heutigen Hannoversch Münden. Diese Strategie bezeugen zahlreiche von Archäologen entdeckte Utensilien wie Münzen und Schmuckstücke, des Weiteren die Ruinen militärischer Anlagen an den Marschrouten. Die Römer legten Häfen an und bauten Brücken.
Der damals dreißigjährige Drusus erreichte 9 v. Chr. die Elbe und beendete seinen Feldzug, stürzte aber beim Rückmarsch vom Pferd und verletzte sich lebensgefährlich. Sein Bruder Tiberius eilte sofort von Pannonien nach Germanien, kam aber zu spät. Er vollendete Drusus’ Werk im Jahr darauf, brach die letzten Widerstände, vertrieb feindlich gesinnte Stämme nach Osten und siedelte Verbündete im Westen an. "Er bezwang dieses Land, sodass er es beinahe in eine regelrechte tributpflichtige Provinz verwandelte", schrieb der römische Historiker Publius Cornelius Tacitus (55–115).
Lange Zeit waren Althistoriker allerdings der Meinung, dass all diese durch antike Quellen belegten Expeditionen vor allem Übergriffe der Germanen auf das Reichsgebiet verhindern sollten. Angriff ist bekanntlich die beste Verteidigung, für römische Feldherren allemal. Inzwischen häufen sich aber die Belege, dass Augustus tatsächlich mehr im Sinn hatte. Den Status einer Provinz erreichte das rechtsrheinische Germanien allerdings wohl wirklich nur beinahe.
Kein Wunder: Wie sollte sich ein Gebiet in das Imperium eingliedern lassen, dessen Kultur so grundlegend anders war? Gallien zu romanisieren war ungleich leichter gewesen, denn dort existierten um die Zeitenwende bereits Städte und eine entwickelte Infrastruktur. Sogar die Religionen von Galliern und Römern waren kompatibel. Ohne große Reibungsverluste machte die ursprüngliche Kultur bald jener der Besatzer Platz. Neue Kultzentren entstanden, das wichtigste davon im heutigen Lyon. Dort versammelten sich die Anführer der sechzig gallischen Stämme, um dem römischen Kaiser ihre Loyalität in einem Ritual zu bekunden.
Etwas Vergleichbares sollte auch im heutigen Köln für den germanischen Raum entstehen, ein Verwaltungs- und Kultzentrum in der "Hauptstadt" der Ubier. Die Priester wurden aus der germanischen Oberschicht gewählt. Dieser war die zeitgenössische gallische Kultur durch Raubzüge, Militärbündnisse oder Eheschließungen mit Angehörigen des gallischen Adels durchaus bekannt. Archäologischer Beweis: Mancher Stammesführer östlich des Rheins ließ sich nach Art der Gallier mit Statusobjekten wie Langschwertern und Sporen bestatten.

Diese Gesellschaftsschicht war für Integrationsversuche prädestiniert. Wie in Gallien mussten ihre Familien nach der Eroberung Geiseln stellen – im Allgemeinen Söhne, die dann von Römern unterrichtet wurden – und Hilfstruppen unter eigenem Kommando. Die Mehrheit der Bevölkerung tat sich aber deutlich schwerer mit der Lebensweise der Besatzer. Und umgekehrt. Allein schon ihre Bereitschaft, ein Gehöft oder Dorf zu verlassen und sich andernorts niederzulassen, passte nicht in das Konzept einer wohl organisierten Provinzverwaltung.

Die Römer versuchten es dennoch mit ihrem in anderen Ländern bewährten Konzept: Integration durch Entwicklungshilfe. Sie "gründeten Städte, und die Barbaren passten sich der Ordnung an, gewöhnten sich an Märkte und trafen sich in friedlicher Versammlung". Der römische Politiker und Schriftsteller Cassius Dio (155–235) beschrieb damit Projekte wie die beim heutigen Lahnau-Waldgirmes in Hessen entdeckte römisch-germanische Stadt. Was Archäologen zunächst für ein Truppenlager hielten – wofür Wall, Torgebäude und doppelte Gräben sprachen –, entpuppte sich als eine Siedlung mit Wirtschafts-, Kult- und Verwaltungsbauten, in der über Jahre hinweg Germanen und Römer friedlich zusammengelebt hatten.
Doch solche Keimzellen urbaner Kultur genügten wohl ebenso wenig wie die Einführung der Geldwirtschaft, um die römische Lebensweise zu etablieren. Viele Germanen blieben offenbar skeptisch, Konflikte erforderten immer wieder Waffengewalt. Die Besiegten wurden getötet und – geschoren. Das helle Haar der Sugambrer beispielsweise schätzten wohlhabende Römerinnen. Spottend legte Ovid ihnen den Vers in den Mund: "Für gekaufte Ware werde ich jetzt gelobt – statt meiner rühmt er eine Sugambrerin!"
Angesichts der unsicheren Lage setzte der Kaiser weiterhin auf die Vertreibung der Gegner nach Osten. Damit konstituierte er allerdings auch gefährliche Gegner wie das Reich der Markomannen. Von Drusus besiegt, zog der größte Teil dieses Stammes 9 v. Chr. in das Gebiet des heutigen Böhmen. Einer ihrer Anführer namens Marbod, der einige Jahre als Geisel des römischen Kaisers in der Tiberstadt gelebt hatte, baute ein gewaltiges Heer auf und vernetzte sich mit anderen Kriegsherren, sodass sein Einfluss weit über Böhmen hinausreichte. Ein Affront gegen Rom: Er gewährte dessen Gegnern Unterschlupf.
Augustus nahm Marbod sehr ernst und ließ 6 n. Chr. alle Streitkräfte vom Rhein und den kürzlich eroberten Gebieten südlich der Donau zusammenziehen – mehr als zwölf Legionen, also etwa 66.000 Mann (Genaueres zu den Einheiten, insbesondere auch zu Hilfstruppen ist leider nicht bekannt). Sie sollten die Markomannen von Westen und Süden gleichzeitig angreifen. Doch mitten im Aufmarsch revoltierte das unterworfen geglaubte Pannonien und band alle römischen Kräfte. Marbod hatte Glück und verhielt sich vorerst ruhig.

3. Teil: Wie Arminius die Gunst der Stunde nutzte, um eine Allianz gegen
die Römer zu schmieden und seinen Widersacher Varus vernichtend zu schlagen

Die Feuer der Rebellion loderten so gewaltig, dass Veteranen einberufen, Sklaven bewaffnet und fremde Kontingente verpflichtet wurden. Für den Germanen Arminius, Mitglied einer hochgestellten Familie der Cherusker, bot sich hier eine Karrierechance. Mit seinen Kriegern leistete er den Römern Waffenhilfe in Pannonien. Dafür verlieh der Kaiser dem Germanen das römische Bürgerrecht und erhob ihn in den Ritterstand. Im Rang eines Präfekten leitete er Einheiten cheruskischer Krieger. Er lernte Latein und wurde mit der römischen Kriegsführung vertraut gemacht.
Während sich Pannonien gegen das Reich erhob, blieb Germanien überraschend ruhig. Im Jahr 7 n. Chr. hatte dort der Feldherr und Statthalter Publius Quinctilius Varus sein Amt angetreten. Antiken Autoren zufolge war er ein lasterhafter Mensch und schlechter Verwalter, zudem ein unfähiger Militär: Drei Legionen samt Hilfstruppen und Tross soll er 9 n. Chr. im Teutoburger Wald in die Katastrophe geführt haben. Doch davon ist wenig wahr.

Varus hatte sich vielmehr wiederholt bewährt: als Begleiter des Kaisers bei Staatsgeschäften im Osten des Imperiums, als Konsul, als Statthalter der Provinz Syrien und als Legionskommandeur im aufrührerischen Judäa. Dennoch unterlief dem erfahrenen Offizier ein Fehler. Auslöser des germanischen Aufstands war, den Quellen zufolge, sein Vorhaben, Steuern zu erheben. Doch über kurz oder lang erwartete Rom von einer Provinz nun einmal Einnahmen und immerhin hatte sich Germanien nicht vom Aufruhr in Pannonien anstecken lassen. Die Lage schien stabil, die Bevölkerung weit gehend angepasst.
Nun aber betrat Arminius die Szene, und dessen Ambitionen hatte Varus nicht auf der Rechnung. Zurück von der Front, unterstellte sich der Cherusker mit seinen Kriegern dem Befehl des Statthalters. Als Mitglied des Ritterstands wäre es nun seine Aufgabe gewesen, die Steuern einzutreiben. Stattdessen knüpfte er eine Allianz gegen Rom. Anführer der germanischen Kriegerverbände waren auf Siege und Beute angewiesen, um ihre Männer bei der Stange zu halten – Arminius stellte sicherlich beides in Aussicht. Mit der Lüge, es drohe ein Aufstand, lockte er Varus samt etwa 20.000 Soldaten in eine Falle.
Nahe dem heutigen Kalkriese, so die Ansicht der meisten Fachleute, lauerten die germanischen Verbände ihnen auf. Mit einem Wall nach römischer Bauart hatten sie den schmalen Weg zwischen einer Anhöhe und einem Moor weiter verengt. Auf dem vom Regen durchweichten Boden kam der Tross nur mühsam voran. Die Römer wurden in Guerillamanier innerhalb weniger Tage aufgerieben.
Eine befriedet geglaubte Provinz war damit der Steuerung entzogen, ihr Kontrollorgan – die Rheinarmee – dezimiert, Roms Stellvertreter gefallen. Und das durch die Hand verbündeter Hilfstruppen. Kaiser Augustus, bereits 72 Jahre alt, befahl den sofortigen Rückzug hinter den Rhein. Waldgirmes und sicher noch andere Stadtprojekte dieser Art wurden aufgegeben, der linksrheinische Rest der germanischen Eroberung der gallischen Provinz Belgica zugeschlagen. Um sein Image als siegreicher Kaiser zu erhalten, wälzte Augustus die Schuld auf den glücklosen Statthalter ab. Das Gemetzel im Teutoburger Wald geriet zur Clades Variana – zur Varusschlacht.
Fortan war Schluss mit Integration. Tiberius und sein Adoptivsohn Germanicus durchstreiften zwischen 10 und 16 n. Chr. mit ihren Truppen die Gebiete östlich des Rheins – ohne nachhaltigen Erfolg. Das Land war für die Römer nicht mehr kontrollierbar. Germanicus suchte bei solcher Gelegenheit mit seinen Soldaten den Ort der Clades Variana und ließ dort die Toten bestatten. Diese Information antiker Quellen liefert Archäologen ein wichtiges Indiz dafür, den Fundort Kalkriese mit dem Schlachtfeld gleichzusetzen: Dort ausgegrabene Skelettreste hatten offenbar längere Zeit auf der Erdoberfläche gelegen, bis sie in Sammelgräbern beigesetzt worden waren.
Trotz dieses Sieges konnte Arminius aus seiner Revolte keinen Profit schlagen. Er hatte Marbod den Kopf des Varus schicken lassen – der aber sandte das Haupt weiter zu Augustus. Bald verfolgten Arminius’ Verbündete eigene Ziele; die große Schlacht war keineswegs Ausdruck eines nationalen Befreiungskampfes. Eine gemeinsame germanische Identität sucht man jenseits der Rivalitäten der Stämme und Familien vergeblich. Der Zwist machte nicht einmal vor Arminius’ Familie halt: Sein Schwiegervater Segestes schlug sich auf die Seite der Römer. Germanicus gewährte ihm samt seiner Tochter Thusnelda, Arminius’ Ehefrau, Schutz – ein Prestigegewinn.
Arminius attackierte in den nächsten Jahren seinen Rivalen Marbod, worauf dieser nach Italien floh. Im Exil von Ravenna überlebte er immerhin seinen Gegner. Der Verwandtschaft inzwischen zu mächtig, wurde der Cherusker 21 n. Chr. ermordet.
Augustus hatte, noch bevor er 14 n. Chr. starb, selbstbewusst verkünden lassen: "Ich habe Germanien befriedet!" Doch er hinterließ seinem Nachfolger Tiberius eine schwere Hypothek. Verlustreiche Siege wechselten mit katastrophalen Niederlagen ab. "Genug der Erfolge, genug der Unglücksfälle", resignierte der neue Kaiser schließlich gegen den Widerstand des Germanicus. Die römischen Truppen bezogen wieder Stellung hinter Rhein und Donau.

Wenn Germanien auch gern als bezwungen erklärt wurde – der Traum von einer Provinz zwischen Rhein und Elbe war ausgeträumt. Geblieben waren zwei Heeresbezirke, in denen ein Viertel der gesamten römischen Armee stationiert war; Kaiser Domitian (regierte 81–96) wandelte sie in die beiden Provinzen Germania Superior und Germania Inferior um. Doch erst unter Kaiser Hadrian (117–138) gab Rom seine Expansionspläne endgültig auf und setzte auf Grenzsicherung. Statt die fremdartige Welt der Germanen erobern und verändern zu wollen, sperrte das Reich sie fortan aus: hinter die Wehrtürme, Palisaden und Kastelle des Limes.
 

Quellen: http://www.sungaya.de/schwarz/kelten/germanen.htm
                
http://www.burgendaten.de/glossary-item.php?name=Keltische Kunst

Wir sind bemüht alle Quellen anzugeben, da aber viele Informationen auch aus dem Weltnetz stammen ist es nicht immer einfach diese zu recherchieren. Sollten Sie eine Urheberrechtsverletzung (Texte, Bilder etc.) vermuten oder diese Ihnen bekannt sein, so bitten wir Sie uns umgehend zu informieren, damit wir dies berücksichtigen und aufnehmen können.  
info(at)coh-ii-raet.de
Die Seite ist Teil eines Framesets zur Startseite geht es HIER