Kastell Vetoniana (Pfünz)


Zeichnung auf den Tafeln rund um das Kastell Pfünz    Klick 4 Big   Quelle: Naturpark Altmühltal ( Schautafel )

Da die Römer um 90 n.Chr. ihre Reichsgrenze über die Kastellreihe Eining-Pförring-Kösching-Gaimersheim-Nassenfels hinausschoben, war der Bau neuer Befestigungsanlagen nötig. Eine solche Anlage ist das Kastell Pfünz (Vetonianis), das südlich vom heutigen Dorf Pfünz auf dem Kirchberg liegend, im Osten vom Tal des Pfünzer Baches und im Westen vom Schrannental begrenzt wird. Nur nach Süden, wohin auch die Römerstraße nach Nassenfels führt, setzt sich die Hochebene fort. Das Kastell selbst bildet ein Rechteck von 145 m x 189 m und nimmt eine Fläche von 2,74 ha ein.
Unter Kaiser Domitian (81 - 96 n.Chr.) wurde das Kastell im Jahre 90 n.Chr. zunächst in der Holz-Erd-Bauweise errichtet.


Quelle: Kurt Scheuerer - Archäologie in Bayern
Um 150 n.Chr. wurde es dann unter Kaiser Antoninus Pius (138 - 161 n.Chr.) in Stein ausgebaut, wodurch man sich eine bessere Abwehrfähigkeit erhoffte.
Trotzdem wurde es im Jahre 166 n. Chr. von den Markomannen überfallen und teilweise zerstört.
Eine Bauinschrift läßt allerdings auf einen Wiederaufbau unter Kaiser Commodus (180 - 192 n.Chr.) schließen, der von 183 - 185 n.Chr. dauerte.
Unter Kaiser Severus Alexander (222 - 235 n.Chr.) wurde das Kastell beim zweiten Alemanneneinfall im Jahre 233 n.Chr. zerstört und niedergebrannt, was durch eine aufgefundene Brandschicht nachgewiesen wurde. Vom Jahr 233 n.Chr. bis zum Zeitpunkt der Aufgabe des Gebiets nördlich der Donau, was 260 n.Chr. geschah, liegen kaum Funde vor. Man kann daraus schließen, daß das Kastell in ebenjener Zeit von 233 - 260 n.Chr. wenig, wenn überhaupt noch besetzt war.


Blick vom Südtor (Porta decumana) über den Platz zum 189 m entfernten, wieder aufgebauten Nordtor.

Die im Kastell Vetoniana stationierte
COHORS I BREVCORVM, benant nach dem Volksstamm der Breuker. Dieser illyrische Stamm lebte im Südwesten der Provinz Pannonia inferior längs der Save westlich von Sirmium (dem heutigen Sremska Mitrovica westlich von Belgrad).
Die cohors I Breucorum bildete von Anfang bis zumUntergang des Kastells die Besatzung in Pfünz.
Die Truppe in Ventoniana war ein
cohors quingenaria equitata, eine ca. 500 Mann starke Infanterieeinheit mit einer berittenen Abteilung. Sie setzte sich aus sechs Zenturien Fußsoldaten (mit je 60-80 Mann) und aus 4 Schwadronen (turmae) Kavallerie (mit je 30 Reitern) zusammen.
Die Einheit wird als "Valeria victrix" bis "torquata ob virtutem appellata" bezeichnet, d. h. "die siegreiche valerische, wegen ihrer Tapferkeit zweimal mit einem Ehrenschmuck ausgezeichnet". Damit ist erwiesen das sich die Truppe tapfer geschlagen hat. Auch dürfte sie das römische Bürgerrecht erhalten haben, wie aus dem Zusatz "civium Romanorum" , hervor geht.


Aus dieser Gegend dürfte das cohors I Breucorum gekommen sein. Klicken für große Karte Quelle: Wiki


Auf´s Bild klicken.         Quelle: Naturpark Altmühltal ( Schautafel )
Die wichtigste Aufgabe des Kastells bestand darin, den Limes, der hier 10 km nördlich vorbeizog, zu überwachen. Pfünz hatte auch eine wichtige Aufgabe im Straßenverkehr. Hier trafen sich nämlich acht Römerstraßen: Die Militärstraßen von Weißenburg und Kösching, sowie Straßen von Tauberfeld, Nassenfels, Eichstätt, Buchenhüll, Rieshofen und Böhming.


Der Name Pfünz leitet sich aus dem römischen Wort pons , was Brücke bedeutete, ab. Der römische Flussübergang war aber weiter flussaufwärts von der heutigen Pfünzer Brücke, die fälschlicherweise oft Römerbrücke genannt wird. Sie stammt aus dem Mittelalter; erstmals urkundlich erwähnt 1432.


Das Nordtor (Porta praetoria) in der Regel in Richtung Feind ausgerichtet (Ausfall-Tor)


Inschriften-Stein über dem Nordtor

IMP(ERATORI) CAE(SARI) TITO
AEL(IO) HADR(IANO)
ANTININO
AVG(VSTO) PIO
COH(ORS) I BR(EVCORVM) C(IVIVM) R(OMANORUM)

Dem Kaiser Titus
Aelius Hadrianus
Antoninus
Augustus Pius [hat]
die 1. Kohorte der Breuker römischer Bürger
Quelle:
Heimatverein VETONIANA Pfünz
161-180 n.Chr. hatte Kaiser Marcus Aurelius die Regentschaft über das römische Reich. Er führte die Kriege gegen die Markomannen. In dieser Zeit ist das Kastell abgebrannt, wurde aber wieder errichtet. Der Inschriften-Stein im Westturm des Nordtores zeugt vom Wiederaufbau. Der Text stammt aus dem Jahre 183/184 n.Chr. und hat folgende Bedeutung:

IMP(ERATORI) CAES(ARI) M(ARCO) AVREL(IO)
COM(MODO) ANTO(NINO)
PIO AVG(VSTO) GERM(ANICO)
SARMATIC(O) CO(N)S(VLI) IIII
COH(ORS) I BREVC(ORVM)
SPICIO CERIALE
LEG(ATO) AVG(VSTI) PR(O) PR(AETORE)

Dem Kaiser Marcus Aurelius
Commodus Antoninus
Pius Augustus, dem Sieger über Germanen
und Sarmaten, im vierten Konsulat,
[hat] die erste Kohorte der Breuker
unter Spicius Cerialis
kaiserlichem Statthalter mit Praetorrang,
Quelle:
Heimatverein VETONIANA Pfünz




 
Fundort des Meilensteins Kösching
IMP(ERATOR) CAESAR
L(UCIUS) SEPTIMIUS SEVERUS PIUS  PERTINAX AUG(USTUS) ARAB(ICUS) ADIAB(ENICUS) PARTHICUS MAXIMUS PONTI(EX) RNAX(IMUS) TRIB(UNICIA)
POT(ESTATE) VIIII  
IMP(ERATOR) XII, CO(N)S(UL) II
P(ATER) P(ATRIAE) PROCO(N)S(UL) ET IMP(ERATOR) CAESAR MARCUS AUREL(IUS)  ANTONIUS PIUS AUG(USTUS) TRIB(UNICIA)
POT(ESTATE) IIII PROCO(N)S(UL) [ET P(UBLIUS) SEPTIM(IUS) 
GETA NOBILISSIMUS CAESAR]
VIAS EI PONT(ES) REST(ITUERUNT)
AB AUG(USTA) M(ILIA) P(ASSUUM) LXII, 
A LEG(IONE) M(ILIA) P(ASSUUM) XXXIIII

Imperator Cäsar
Lucius Septimius Severus Pius 
Pertinax Augustus, größter Sieger über Araber,
Adiabener und Parther,
Oberster Priester, mit Tribunengewalt zum neunten Mal, zum zwölften Mal als Imperator begrüßt, zum zweiten Mal Konsul, Vater des Vaterlandes, Prokonsul, und Imperator Cäsar Marcus Aurelius
Antoninus Pius Augustus, mit Tribunengewalt
zum vierten Mal, Prokonsul, und [Publius Septimius 
Geta, edelster Cäsar] haben Straßen und Brücken wieder hergestellt.

Von Augusta (= Augsburg) 52 römische Meilen,
von Legio (= Regensburg) 34 römische Meilen. 
Quelle:
Heimatverein VETONIANA Pfünz

Eine römische Meile = 1.478 m

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