Römerkastelle und was dazu gehörte.

Kastelle am nassen Limes von Oberstimm bis Passau

Limes-Kastell von bis Typ
Pfünz (Vetoniana) 90 260 Kohortenkastell
Oberstimm ca. 40 ? Kohortenkastell
Eining (Abusina) 80 ca. 260 Kohortenkastell
Frauenberg / Weltenburg ca. 370 5 Jh. ? Kleinkastell
Alkofen 83/85 ? Kleinkastell
Bad Abbach ? ? Ziegelei der III.
italienischen Legion
Regensburg Kumpfmühl 79/80 172 Kohortenkastell
Regensburg (Castra Regina) 179/180 5. Jahrhundert Legionslager der III.
italienischen Legion
Regensburg Prüfening ? ? Kleinkastell
Pfatter-Gmünd ? ? Kleinkastell
Straubing (Sorviodurum) a) vespasianisch
b) vespas.-trajan.
c) domitianisch
d) um 400
a) 166/180
b) 98/117
c) 1. Hälfte 3. Jh.
d) 1. Hälfte 5. Jh.
a) Kohortenkastell
b) Kohortenkastell
c) ?
d) ?
Steinkirchen ? ? Kleinkastell
Moos-Burgstall a) vespasianisch  a) 120 a) Kohortenkastell
Künzing (Quintana) a) domitianisch
b) spätantik
a) 259/260
b) ?
a) Kohortenkastell
b) ?
Haardorf bei Osterhofen claudisch - flavisch ? Kleinkastell
Passau
(Boiodurum/Boiotro/Batavis)
a) um 90
b) 2. Jahrhundert
c) spätantik
a) ?
b) 3. Jahrhundert
c) nach 450
a) Numeruskastell
b) ?
c) ?



Prinzipieller Aufbau eines römischen Kastells

In der Frühzeit hatten die Lager oft einen polygonalen Grundriss. Als Beispiel hierfür kann man das ca. 36 ha umfassende Zwei - Legionen - Lager von Mainz nennen, das um 13 v. Chr. gegründet wurde.
Ab der Mitte des 1. Jh. n. Chr. folgte die Anlage der Militärlager einem weitgehend genormten Schema. Der Grundriss war rechteckig mit abgerundeten Ecken (sog. „Spielkartenformat“). Die meisten Lager wurden anfangs aus Holz errichtet, später wurden sie in der Regel in Stein ausgebaut.
Ein oder mehrere Gräben (fossae) umzogen die Lager. Sie waren meist Spitzgräben und nicht mit Wasser gefüllt. Als weitere Verteidigungsmaßnahmen konnten zugespitzte Pfähle oder Fallgruben vor, zwischen und in den Gräben hinzukommen.
Die Wehrmauer konnte eine Holz-/Erde - Konstruktion sein, oder sie bestand aus Stein, oft mit einem dahinter liegenden Erdwall (vallum). Die Torzufahrten waren in der Regel von Türmen flankiert. Dazu konnten Eck- und Zwischentürme kommen, die meist hinter der Mauer lagen. Hinter der Mauer befand sich das intervallum, der freie Raum zwischen Mauer und bebauter Innenfläche des Lagers. Entlang der Mauerinnenseite konnte hier eine Straße laufen, die via sagularis.

Durch die Hauptstraßen war das Innere des Lagers gegliedert. Vom rechten Seitentor (porta principalis dextra) zum linken (porta principalis sinistra) verlief die via principalis. Ungefähr im Zentrum des Lagers befanden sich oberhalb dieser Straße die principia, das Stabsgebäude. Die Angaben rechts/links der Seitentore sind von einer gedachten Person aus gesehen, die vom Stabsgebäude aus auf das Haupttor, die porta praetoria blickt. Principia und vorderes Tor waren durch die via praetoria verbunden. Dieses Haupttor war meist dem Feind zugewandt. Von der Rückseite der principia lief die via decumana zur porta decumana, dem rückwärtigen Lagertor. Oft kam dazu noch die via quintana, die parallel zur via principalis hinter den principia verlief. Die restlichen, kleineren Straßen zwischen den einzelnen Gebäuden wurden viae vicinariae genannt. Durch die via principalis und die via quintana war das Lager in drei Bereiche geteilt: Die praetentura (vorderer Teil), die latera praetorii (Mittelstreifen) und die retentura (rückwärtiger Teil).

 

Als Porta praetoria bezeichneten die Römer in ihren Militärlagern
das Haupttor. Es diente als Ausfalltor und befand sich im Normalfall
auf der dem Feind zugewandten Seite des Lagers.

 
Porta principalis sinistra (linkes Tor der via principalis)

Porta principalis dextra (rechtes Tor der via principalis)

Porta decumana, das Hintertor

Lagerstrassen
Via principalis  
Verband die porta principalis sinistra (linkes Seitentor) mit der porta principalis dextra (rechtes Seitentor)
Via praetoria  
Sie führte von der principia (Stabsgeäude) zur porta praetoria (vorderes Haupttor)
Via decumana  
Sie führte von der Rückseite der principia (Stabsgeäude) zur porta decumana (rückwärtiges Tor)
Via sagularis  
Sie war die hinter der Mauer oder dem inneren Erdwall umlaufende Wallstrasse. Sie diente dem schnellen Erreichen der Wehranlagen im Alarmfall oder dem Ein- und Ausrücken der Truppen.
Via Quintana  
Parallel zur via principalis verlaufendeStrasse hinter der principia, die bei vielen Kastellen zusätzlich vorhanden war.
 

  Legionslager

Model des Legionslager Bonn

Nach der Heeresreform des Marius war die römische Armee in Legionstruppen (in denen römische Bürger als schwere Infanterie dienten) und Auxiliareinheiten (Hilfstruppen) verbündeter Völker gegliedert.
Nach der Reform der Legion in der Kaiserzeit (Verdoppelung der ersten Kohorte zu einer Cohors militaria und Zuteilung einer 120 Mann starken Reiterabteilung) bestand die römische Legion aus einer Standardgröße von knapp 5.500 Mann.
Aufstellung der römischen Legion zur Kaiserzeit

Die Legion (Sollstärke) setzte sich zusammen aus (siehe dazu auch die Grafik):
Legionstruppen (5.500 Mann):
1. Kohorte (800 Mann):
     5 Zenturien à 160 Mann
     2. bis 10. Kohorte (4.320 Mann – 9 Kohorten zu 480 Mann):
          je Kohorte 3 Manipel zu je 2 Zenturien à 80 Mann
          Kavallerie (120 Mann):
      4 Reiterabteilungen (Turmae) à 30 Mann. Sie dienten in erster Linie zur Aufklärung und Kommunikation.
   Adjutanten und Offiziere (250 Mann)
 
 

  Kohortenkastelle
Hier fand eine Kohorte entweder als cohors quingeniaria peditata (Infanteriekohorte) mit etwa 480 Mann, als cohors quingenaria equitata (teilberittene Infanteriekohorte) mit rund 500 bis 800 Mann, als cohors milliaria peditata (doppelte Infanteriekohorte) mit rund 1000 („mille“) Mann oder als cohors milliaria equitata (doppelte teilberittene Infanteriekohorte) mit über 1000 Mann Besatzung auf je nach Bedürfnissen etwa 15.000–40.000 m² Platz
 


Römerkastell mit vorgelagertem Vicus (Ziviles Dorf) Quelle:  http://www.taunus-wetterau-limes.de

 

  Alenkastelle
Die Reitertruppen der Alen bestanden entweder als ala quingenaria aus knapp 500 oder als ala milliaria (doppelte Ala) aus bis zu 1.000 Mann. Mit dem nötigen Platz für die Pferde wurden Lagergrößen bis zu 60.000 m² erreicht.
Die Ala war im Heereswesen des antiken Rom ein Verband von (in der Kaiserzeit) 500 bis 1.000 Reitern.
 

  Numeruskastelle
Bei einer Größe von 6.000–8.000 m² kamen hier etwa 150 Mann der Aufklärungseinheiten (Numeri) unter. Principia, Kommandantenwohnhaus, Mannschaftsunterkünfte fanden sich hier meist in der gleichen Lage wie beim Legionslager.

Hier das
Numeruskastell Kleiner Feldberg
 

 
Kleinkastelle
Kleinkastelle hatten oft nur eine Größe von 300 m². Die Besatzungsstärke schwankte zwischen 12 und 80 Mann. In der Urform gab es nur ein Tor und einen Graben. Der Innenausbau war entweder U-förmig angeordnet, oder bei zwei gegenüberliegenden Toren lagen die Mannschaftsbaracken links und rechts der Straße. Oft waren nicht militärische Gründe für die Anlage solcher Kleinkastelle, sondern eine Kontrollfunktion des Menschen- und Warenverkehrs an Eintrittsstellen in das Limesgebiet ausschlaggebend.



Die restaurierten Grundmauern des Kleinkastells Holzheimer Unterwald www.taunus-wetterau-limes.de
 

  Siedlung

Vicus (Plural: Vici)  Zu jeden größeren Militärlager gehörten auch Zivilisten, die als Händler, Handwerker, Schankwirte, Tänzerinnen oder Dirnen den Soldaten ihre Dienste anboten. Diese Siedlung bildete zusammen mit dem eigentlichen Lager die Keimzelle zur Romanisierung der jeweiligen Provinz, wobei die Romanisierung in unmittelbarer Grenznähe, durch die größere Zahl von Militärlagern, meist stärker oder schneller war als im Hinterland.
 

  Mit zunehmender Anzahl von ansässigen Zivilisten wurden diese Dörfer zu Verwaltungs- und Wirtschaftszentren für ihr Umland. Einige dieser vici entwickelten sich zu Städten und wurden Hauptorte ihres Verwaltungsbezirkes. In den lokalen Werkzeugschmieden oder Bronzegießereien versorgten sich nicht nur die Einwohner sondern die Armee bezog bei Ihnen auch einen Teil ihrer Ausrüstung. Zimmerer und Schreiner waren in jeden Kastelldorf vertreten. Eine zentrale Funktion der Dörfer war aber auch der Umschlag sowie die Weiterverarbeitung von auf den umliegenden Gutshöfen (villa rustica) erzeugten landwirtschaftlichen Produkten wie Getreide, Obst, Gemüse und Fleisch aber auch Wein oder von importierten Gütern wie Öl und Fischsoße. Die Bebauung dieser Dörfer war immer ähnlich. Wichtiger Bezugs- und Ausgangspunkt bei der Bebauung war die aus dem Kastell kommende Straße, an der anfänglich alle Häuserparzellen einen rechteckigen Anteil erhielten. Die darauf gebauten Streifenhäuser wurden meist in Fachwerkbauweise errichtet und besaßen zur Straße hin einen Laden (tabernae) mit einer vorgelagerten überdachten Porticus. An die Wohnräume im hinteren Hausteil schloss sich ein Hof an, in dem der Brunnen, die Latrine aber auch handwerkliche Einrichtungen errichtet wurden. In der Nähe zum Kastelltor lagen Gebäude wie das Kastellbad oder (bei Vorhandensein) das Amphitheater z.B (Künzing bei Osterhofen Quintana).
 


Leben im Vicus

 

Die Versorgung der Kastelle und Vici durch die Villa rustica.


Rekonstruktion einer Villa rustica:
Römervilla Möckenlohe

  Hausherr (dominus) einer Villa rustica war oft ein aus dem Militärdienst ausgeschiedener Veteran (der dann erst offiziell heiraten durfte: Eherecht (ius conubii) ), der innerhalb der provinzialen Infrastruktur Versorgungsaufgaben für die nahe gelegenen Städte und Garnisonen übernahm. Wenn es sich um eine Neuanlage handelte, so wurde der Standort sehr sorgfältig ausgewählt. Es musste eine gesunde und fruchtbare Lage sein, in der Nähe des Gehöftes war eine Quelle oder ein sauberer Bachlauf nötig. In den Gebieten nördlich der Alpen wurden hauptsächlich Dinkel und Gerste angebaut, auch Hafer und in sehr guten Lagen Weizen.  Das Klima ließ Melde, Möhren, Rüben und Kohl wachsen, ebenso wie die aus Italien mitgebrachten Zwiebeln, Knoblauch, Porree und Spargel. Hülsenfrüchte wie Erbsen und Dicke Bohnen waren wichtig für die Eiweißversorgung. Einheimischen Obstarten wurden zur Vitaminversorgung herangezogen, aber man wusste vom gesundheitlichen Wert der Früchte. Äpfel, Birnen, Kirschen und die weitverbreiteten Wildfrüchte wurden schon von den Germanen und Kelten genutzt, die Römer brachten noch die aus Vorderasien stammenden Pflaumen mit.
Aber bevor ich hier das Rad neu erfinde, lest auf diesen Seiten weiter:
http://www.roemervilla-moeckenlohe.de/moeck-04.htm
 

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