Keltische Kunst
 
Die Kunstäusserungen der indogermanischen Völkergruppe der Kelten, beginnend mit der Eisenezit in Mitteleuropa, gliedert sich im wesentlichen in die beiden nach Fundorten in Österreich bzw. der Schweiz benannten Phasen der Hallstattzeit (750-500 v.Chr.) und der Latènezeit (500 - etwa Mitte des 1. Jh. v.Chr.) und erstreckt sich auf Siedlungsgebiete des südlichen Mitteleuropa, England und Irland, Böhmen und Ungarn; in Teilen Grossbritanniens erlebte die keltische Ornamentik ab dem 7. Jh. eine Nachblüte in der Irisch-keltischen Buchmalerei und den irischen Steinkreuzen. Wesentlich für die Keltische Kunst ist der durch Handelsbeziehungen seit dem 8. Jh. v.Chr. bestehende Kontakt mit dem mediterranen Raum und dessen Kunst. Architektur: Neben den einfachen dörflichen Siedlungen mit ihren Holzbauten stellen sich die Fürstensitze - oftmals auf markanten Anhöhen gelegen - durch ihre repräsentative Lage heraus. Das bemerkenswerteste Beispiel ist die Heuneburg Hundersingen I an der Donau in Baden-Württemberg.


© Susanne Kriesch, Tübingen/Theiss Verlag »Die Heuneburg«

  Sie wurde um die Mitte des 6. Jh. v.Chr. mit einer Umfassungsmauer umgeben, die nördlich der Alpen einmalig ist. Sowohl die Form (mit turmartigen Bastionen), die Masse und vor allem das Material (luftgetrocknete Lehmziegel) verweisen unmittelbar auf mediterrane Vorbilder; vielleicht war sogar ein griechischer Architekt auf der Heuneburg am Werk.
Seit der Mitte des 3. Jh. v. Chr. setzte in Mitteleuropa erstmals eine neue Siedlungsweise ein, die verschiedene architektonische Errungenschaften nach sich zog. Die ersten Städte (oppida) entstanden.
In ihrer Binnenbebauung bestanden sie - wie die Architektur vorher - aus Holz, während für die Umfassungsmauer die Technik des sog. murus gallicus entwickelt wurde, eine mit Bruchsteinen und Erde ausgefüllte zweischalige Holzkonstruktion mit Steinfront, an deren Rückseite ein Erdwall angeschüttet war. Plastik: Für die keltische Zeit sind nur wenige Grossplastiken belegt. In der vorangegangenen Periode der Bronzezeit war die figürliche Darstellung nicht mehr gepflegt worden. Erst die Kontakte mit den Kuluren des Mittelmeergebietes wiesen hier wieder neue Wege und liessen während der Hallstattzeit langsam figürliche Motive neu aufleben.
Das eindrucksvollste Beispiel für die Grossplastik ist die hallstattzeitliche Statue eines Kriegers aus Hirschlanden in Baden-Württemberg, die ursprünglich auf einem Grabhügel stand. Der Brauch, Grabstatuen aufzustellen, stammt sicherlich auch aus dem Mittelmeerraum; er bestand im keltischen Gebiet vom 6.-4. Jh. v.Chr. und endete mit der Änderung der Bestattungssitten, als man zu Flachgräberfriedhöfen überging. Auch beim "Krieger von Hirschlanden" (Stuttgart, Württembergisches Landesmuseum) orientierte sich der Künstler unmittelbar an mediterranen Vorbildern, z.B. an griechischem Kuroi (Kuros) oder italienischen Grabststatuen.  


Der Mann von Hirschlanden, in der Nähe von Stuttgart

Erst im Lauf der Zeit wurde das Menschenbild der Keltischen Kunst als eigenes Motiv einverleibt und entsprechend gestaltet. In Werken der Latènezeit ist deshalb der Mensch in völlig anderer Weise abgebildet: Nicht die organische Einheit und miteinander korrespondierende Teile waren das Grundprinzip, sondern ein additives System, welches das den mediterranen Vorbildern eigene Ganze sprengte und nach anderen Prinzipien neu gruppierte. Großplastik in größerem Umfang gab es erst während der Spätzeit, vor allem in Gallien, als die römische Kunst ihren Einfluss ausbreiten konnte. Die ursprünglich sicherlich vorhandene Holzplastik, die sich nur in geringen Resten erhalten hat, stellte vermutlich einen wichtigen Teil der keltischen Bildhauerkunst dar. Neben großen Steinfiguren traten Stelen, lebensgroße Köpfe, auch doppelgesichtige Darstellungen und Dreikopfplastiken auf. Kleinplastik ist vor allem in Bronzeskulpturen und figuralen Verzierungen (z.B. figural ausgearbeitete Henkel an Gebrauchsgegenständen) überliefert. Kunsthandwerk: Am eindeutigsten zeigt sich der keltische Stil im Kunsthandwerk, bei dem die Künstler trotz fremder Einflüsse eigene charakteristische Werke fertigten. Während die figürlichen Darstellungen dieser Gattung mit der Entwicklung der Großplastik parallel liefen, drückte sich vor allem im Ornament das Wesen der Keltischen Kunst aus.
Das keltische Eisen der Ostalpen, das „Norische Eisen”, hatte aufgrund der besonderen Herstel-lungs- und Verarbeitungstechniken unserer Vor-fahren die Qualität von Stahl und war in der Welt der Antike unübertroffenes, konkurrenzloses Handelsgut! (Besonders für die Bedürfnisse der Römischen Armee!)

Und den hochangesehenen keltischen Schmieden oblag in der Metallverarbeitung neben der zivilen Handwerkstätigkeit nicht nur die Entwicklung be-sonderer
Waffen, die nicht zuletzt bei den Nach-barn berühmt und begehrt waren. Ihrer Kunstfertigkeit entsprangen andererseits auch einzigartige Schmuckstücke und prunkvolle Gegenstände, die sie zur Freude der Nachwelt den Verstorbenen mit ins Grab gaben.
 


Kultwagen von Strettweg
Landesmuseum Joanneum Graz

Neben Tiergestalten und Masken dominierten daher Wellenmuster, Spiralmuster, S-muster und Fischblasenmuster sowie Blütenformen, Palmetten, Ranken usw. vor allem bei Schmuck, Waffen (besonders Schwertscheiden), Hausrat u.a. Dabei wurden verschiedenste Materialien wie Gold, Bronze und Eisenblech verwendet, teilweise mit Korallen, Glasfluss und Emaileinlagen verziert. In der chronologischen Untergliederung steht zuvorderst der Hallstattstil (7.-6. Jh. v.Chr.), in der Toreutik, der Textilkunst und der Keramik der Hallstattzeit zeigen sich reichste geometrische Muster, die aus der Mischung unterschiedlichster Techniken (Ritzung, Stempelung, Kerbschnitt, Bemalung, Inkrustation, Graphitierung) ihre lebendige Wirkung ableiten. Es handelt sich um streng gegliederte, oft flächenfüllende Muster. Im weiteren Verlauf wurden sehr zögernd wenige, eher naturalistische und figürliche Motive aufgenommen. Im folgenden frühen Latènestil (5.-4. Jh. v.Chr.) setzte ein grundlegender Wandel ein, weg von den strengen geometrischen Mustern. Die neuen Grundmotive lieferte wiederum der Süden; sie wurden jedoch alle in ihre Einzelteile zerlegt und in anderer Gruppierung wieder zusammengefügt.
Dadurch entstanden neue Ornamente, die dank der zusätzlichen farblichen Effekte als mehrfach "lesbar" erscheinen. Vom Vorbild blieben die schwellenden kurvigen, sehr plastisch wirkenden Elemente bestehen. Auf der nächsten Entwicklungsstufe, dem Waldalgesheimstil (4.-3. Jh. v.Chr.), wurde als zusätzliches Motiv die Ranke mit Spiralen und Voluten neu aufgenommen. Auffallend ist, dass die Plastizität des frühen schwellenden Ornaments schwand und im Gegenzug ein Geflecht von gleichförmig wiedergegebenen Motiven entstand, bei denen z.B. Ranken und Gesichter in gleicher Manier behandelt sind. Im Spätstil (3.-1. Jh. v.Chr.) schließlich wurden wieder plastische Züge deutlich.  


Kessel von Gundestrup

In den verschiedenen Landschaften wirkten unterschiedliche fremde Stile, wobei die römische Kunst grössere Bedeutung gewann. Münzprägung: Mit zu den wichtigsten Neuerungen der keltischen Kultur gehört die Einführung von Geldverkehr und Münzprägung. Die keltischen Münzen sind wertvolle Zeugnisse des Kunstschaffens. Als Vorbilder der Nachahmung dienten hierbei die Statere Philipps II. und Alexanders d.Gr. (Goldprägung) sowie die Tetradrachmen Philipps II. und die frühen Denare aus Rom (Silberprägung). Die Münzbilder wurden in typisch keltischer Manier bis zur Unkenntlichkeit verfremdet, wobei wieder das Verfahren der Zerlegung und Neugruppierung nach eigenen Vorstellungen zum Tragen kam. Im Lauf der Entwicklung ergaben sich eigene typische Münzbilder, deren Motive dem keltischen Kulturkreis entstammen. Berühmte keltische Goldmünzen sind die sog. Regenbogenschüsselchen, die es mit und ohne Münzbild gibt.
     
     
  Aus: http://www.burgendaten.de/glossary-item.php?name=Keltische Kunst

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