Römerstraßen in Bayern


Schematische Übersicht über die römischen Fernstraßen im südöstlichen Bayern.



Die römischen Fernstraßen nach dem Itinerarium Antonini
(Itinerarium provinciarum Antonini Augusti)
und der Tabula Peutingeriana


Itinerarium Antonini und Tabula Peutingeriana beschreiben jeweils unterschiedliche Routen römischer Fernstraßen zwischen Iller und Salzach. Trotz der fehlenden “Verwandtschaft” und unterschiedlicher Entstehungszeiten der
beiden Quellen lassen sich vier “gemeinsame” Routen erkennen.

Quelle: http://hans-bauer-erding.de/html/routenskizzen.html

Buchtipp:  http://books.google.de/books

http://www.viajulia.de

Römerstraßen auf der Tabula Peutingeriana (Ausschnitt) - von oben nach unten Balkanküste, Adria, Spitze des italienischen Stiefels und Sizilien sowie die Mittelmeerküste Afrikas.
    Ausschnitt mit heutigen Ortsnamen.
Römerstraßen Übersicht



Liemes und Römerstraßen in Germanien. Aufs Bild klicken

Römerstraßen im Algemeinen.

Aufbau einer Römerstraße

Eine römische Straße hatte einen bis zu 1 Meter starken Straßenkörper. Dieser bestand aus mehreren Schichten. Als Untenbau diente gestampfter Lehm. Darüber kam das statumen, eine Schicht aus Kalkstein mit Mörtel zur Verfestigung. Die nächsten Schicht (ruderatio) bestand aus faustgroßen Kieseln und darüber kam eine weitere Schicht aus nussgroßen Kieseln (nucleus). Vor allem auf den wichtigsten Fernstraßen, auf Steigungen oder Abschnitten, die besonders gegen Witterungseinflüsse geschützt werden sollten, wurde der Straßenkörper mit einer Schicht aus Kopfsteinpflaster oder aus sauber gearbeiteten Steinplatten abgeschlossen. Ansonsten bestand die Deckschicht aus grobem festgewalztem oder gestampftem Kies oder Sand. Zu den Seiten hin war die Fahrbahndecke abgerundet, so dass das Oberflächenwasser schnell in die seitlichen Regenrinnen abfließen konnte. An Hängen herunterlaufendes Wasser wurde mittels Kanälen unter den Straßen durchgeleitet, um unkontrolliertes Unterspülen der Straßen zu verhindern.
Schon 450 v. Chr. legte das Zwölftafelgesetz (Einstiges Stadtrecht der republikanischen Stadt Rom) die Straßenbreite fest: "Die Wegbreite ist im geraden Stück acht Fuß (2,48 m), bei Biegungen sechzehn Fuß (4,96 m)." Die Straßen mussten in den Kurven breiter sein, da die Römer recht primitive Wagen hatten, die nur selten mit einer schwenkbaren Vorderachse ausgestattet waren.

An den Straßen informierten sich Reisende und Kuriere an Meilensteinen, wie weit es noch bis zur nächsten Station oder Siedlung war. Die Entfernung wurde in Meilen (eine römische Meile = 1.478 m) angegeben. Auch der Name des Kaisers,  der sich um den Ausbau der Straße verdient gemacht hatte, gelegentlich auch der eines privaten Geldgebers, stand auf solchen Steinen zu lesen. Auf dem römischen Straßennetz konnte die kaiserliche Post am Tag auch Dank zahlreicher Relaisstationen (u.a. zum Pferdewechsel) ca. 200 km zurücklegen. Das ausgebaute Straßennetz im römischen Imperium umfasste ca. 80000 km.


Schnitt durch eine Römerstraße.


Römerstraße, schön zu erkennen die Wölbung zur Straßenmitte, um das Wasser zur Seite abzuleiten.
 


Die Straßenarten, deren Bau und Finanzierung

Die viae publicae ("Staatsstraßen") oder viae militares ("Heerstraßen") wurden zentral von Rom aus geplant, bezahlt und gebaut. So schreibt Diodorus Siculus in dem Geschichtswerk "Historische Bibliothek", daß der Bau der Via Appia die öffentlichen Kassen total erschöpft habe. Außerdem ist von Julius Caesar überliefert, daß er um den Straßenbau zu finanzieren, Sklaven verkauft habe und Statuen, die zu seinen Ehren errichtet worden waren, einschmelzen ließ. Aber der Staat konnte auch auf Unterstützung von Privatleuten hoffen, da diese ihren Namen gerne auf Meilensteinen sehen wollten. Um eine Vorstellung der Kosten zu bekommen, sei hier gesagt, daß im 2. Jh. n. Chr. die Wiederherstellung einer Meile der Via Appia 100.000 Sesterzen (knapp 10.000 Euro) kostete. Die gesamte Via Appia mit ihren ca. 364 röm. Meilen (ca. 539 km) dürfte also etwa 3,4 Millionen Euro gekostet haben.


Bau einer Straße durch römische Legionäre

Viae publicae wurden meistens von Soldaten und von zu Zwangsarbeit verurteilten Menschen gebaut. Die Armee wurde deshalb herangezogen, da sie z. B. 68/69 v. Chr. 360.000 Mann umfaßte, die aber nicht alle im Kriegsdienst standen und trotzdem bezahlt werden mußten, und anstatt nun zusätzlich Arbeitskräfte für den Straßenbau zu finden, war es billiger, Soldaten zu nehmen. Bei ihnen war diese Plackerei natürlich nicht sehr beliebt und es gab genug Drückeberger, wie z. B. Julius Apollinaris, von dem einige Briefe aus Ägypten an seine Eltern erhalten sind. Da er des Lesens und Schreibens mächtig war, bewarb er sich gleich zu Anfang als Librarius (Sekretär) und wurde prompt Legionslibrarius mit Aussicht auf Beförderung. Damit war er ein Principalis, ein Soldat, der aufgrund besonderer Aufgaben, wie Librarius oder Handwerker, von den allgemeinen Dienstleistungen, u. a. Straßenbau, freigestellt war. Julius Apollinaris frohlockte in einem Brief an seine Mutter: "Ich danke dem Gott Serapis und einem gütigen Schicksal. Während alle anderen den ganzen lieben langen Tag schuften und Steine klopfen, bin ich jetzt ein Principalis, stehe herum und brauche nichts zu tun."
Die Soldaten kannten die Straßen aber nicht nur vom Bauen. Durch den Militärschriftsteller Vegetius ist uns überliefert, daß die Soldaten in den Sommermonaten in voller Ausrüstung (40 kg) einen Marsch von 20 - 24 röm. Meilen (ca. 45 - 53 km) in 5 Stunden absolvieren mußten. Hierbei entwickelten sie den Vorgänger des Stechschritts, um nicht über unebene Steinplatten im Pflaster zu stolpern.
Im Gegensatz zu den Soldaten waren die Zwangsarbeiter arm dran, denn bei Ausgrabungen entlang von Römerstraßen findet man des öfteren Skelette von Strafgefangenen, die wahrscheinlich vor Erschöpfung starben und mitsamt ihren Ketten verscharrt wurden. Es ist uns auch überliefert, daß es mit der Rechtssicherheit nicht besonders weit her war, wenn gerade Arbeitskräfte für den Straßenbau gesucht wurden. So genügte für einen Menschen aus einer niederen Volksschicht, der auf keine Protektion zählen konnte, eine Verurteilung wegen eines Garderobendiebstahls in einem Bad, wegen übler Nachrede gegen eine Respektsperson oder wegen eines ähnlichen "Schwerverbrechens". Manchmal wurden auch Tatbestände erfunden um die Reihen der Gratisarbeitskräfte zu füllen. Was die Bauleistung betrifft, so waren die Römer recht flott, denn sie lag z. B. in Großbritannien bei 2 - 7 Tagen für einen Kilometer.
 Die nächste Kategorie der Straßen waren die viae vicinales, die Provinzstraßen. Sie mußten von Provinzen gebaut und unterhalten werden. Auch größere Städte konnten verpflichtet werden, eine Straße zur nächsten Ortschaft zu bauen. Hierfür standen selten Soldaten als Arbeitskräfte zur Verfügung, sondern Sträflinge und Sklaven der Gutsherren, deren Besitz an die Straße grenzte, machten die Arbeit. Dabei hatten es die Sklaven besser als die Sträflinge, denn sie stellten lebendes Kapital ihrer Besitzer dar, das man nicht einfach vergeudete.
Zur Instandhaltung dieser Straßen wurden teilweise auch junge Männer aus einer Kommune verpflichtet, die zwei Jahre für die Straße zu sorgen hatten. Die dritte Art von Straßen waren Privatstraßen, sog.
viae privatae, zwischen Gutshöfen und kleinen Orten, die von Sklaven angelegt wurden.


Groma, römisches Vermessungsinstrument
(Kombination von Lot und Visierkreuz)


Meilenstein des Septimius Severus
an der Straße Heidenheim-Regensburg
Nachbildung - Kösching - Landkreis Eichstätt

Viae urbicae - Städtische Straßen Hier lag die Zuständigkeit ganz klar bei den Stadtgemeinden, die die Finanzmittel und den Grund bereitstellen mußten. Städtische Straßen konnten allerdings mit einer viae publicae oder einer viae vicinales zusammenfallen.
 
450 v: Chr.  Zwölftafelgesetz legt Straßenbreite fest 
400 v. Chr.  Etrusker pflastern ihre Straßen, auf denen die Römer später aufbauen konnten 
um 300 v. Chr.  Römer beginnen mit der systematischen Anlegung von Straßen 
334 v. Chr.  Bau der Via Latina um neuerworbene Kolonie Calvi bei Capua (jetzige Autobahn: ca. 170 km) zu erreichen 
312 v. Chr.  Beginn des Baus der Via Appia (6 m breit, gekiest), als besser befestigte Ergänzung zur Via Latina. 
250 v. Chr.  Römer entwickeln Pozzolanzemente 
244 v: Chr.  Via Appia bis Brindisi verlängert 
241 v. Chr.  Bau der Via Aurelia 
220 v. Chr.  Via Flaminia angefangen 
170 v. Chr.  nahezu ganz Rom gepflastert 
187 v. Chr.  Via Aemilia als Fortsetzung der Via Flaminia angelegt 
295 - 123 v: Chr.  Via Appia wird gepflastert 
246 - 146 v. Chr.  Punische Kriege, Römer überschreiten italienische Halbinsel 
50 v. Chr.  Römer führen Begrenzungen für Radlasten ein 
45 v: Chr.  Cäsar läßt das Stadtzentrum von Rom von 6 -16 Uhr für Fahrzeuge sperren,außer natürlich für die der Beamten, Priester, bedeutenden Bürger und Besuchern.
Einführung von Einbahnstraßen und Parkplätzen neben den Straßen.
20 v. Chr.  Augustus läßt den „Goldenen Meilenstein" auf dem Forum aufstellen. 
50 n. Chr. 

Cäsars Verbot wird durch Claudius I. auf alle italienischen Städte erweitert. 

1. Jh. n. Chr.  Tiberius läßt Polizeistationen an allen größeren Straßen einrichten 
110 n. Chr.  Größte Reichsausdehnung unter Traian, 85.000 km erstklassige Straßen 
125 n. Chr.  Hadrian sieht sich gezwungen, die Anzahl der Fahrzeuge, die nach Rom hin ein durften, weiter zu beschränken. (180 werden Verbote auf alle Städte übertragen) 
130 n. Chr.  Hadrian läßt Via Appia weiter ausbauen, V.A. bis in 6. Jahrhundert. in Gebrauch 
um 300 n. Chr.  antoninisches Itinerar wird zusammengestellt. 
300 n. Chr.  Römisches Reich begann zu schrumpfen 
401 n. Chr.  Westgoten fallen unter Alarich erfolgreich in das römische Reich ein 
410 n. Chr.  Westgoten erobern als erste Armee seit ca. 800 Jahren Rom 
  Aus Susanne Klischat´s, "Alle Straßen führen nach Rom"
Das römische Längenmaß war der Fuss (pes) = knapp 0,3 Meter.
5 Fuss ergaben einen Doppelschritt (Passus) = etwa 1,5 Meter
125 Doppelschritte ergaben ein Stadium = etwa 185 Meter    
1000 Doppelschritte ergaben eine römische Meile = etwa 1,5 Kilometer

Die "Trajan-Straße" ist die östliche Verlängerung der schon um 45 n. Chr. gebauten römischen Militärstraße
"Donau-Südstraße" die von der "Donauquelle" Hüfingen bei Donaueschingen zunächst nur bis in die Nähe von Regensburg führte. Trajan ließ die strategische Straße nach Osten verlängern, nachdem er den Donaudurchbruch, das so genannte eiserne Tor (Serbien) als vorbereitende Maßnahme für die Dakerkriege erobert hatte. Die Straße führte bis östlich Belgrad. Dort hatte Kaiser Trajan für den Nachschub einen Donauhafen anlegen und eine steinerne Brücke über die Donau bauen lassen.



Römische Donau-Südstraße ("Trajan-Straße") bei Rinkam im Landkreis Straubing-Bogen
(Die graue leicht gebogene Linie in den dunklen Feldern)

Quellen:
http://hans-bauer-erding.de/html/routenskizzen.html
http://www.limesprojekt.de
http://www.antikefan.de
http://www.markaurel.de
http://www.limes-oesterreich.at
 
DER DONAULIMES IN BAYERNWolfgang Czysz, Andrea Faber, Christof Flügel und C. Sebastian Sommer

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